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Aus für den „Spexarder Krug“

 
Die Zeit am Zapfhahn geht zu Ende: Christiane Bordihn für den Spexarder Krug mit ihrem Mann Dirk in vierter Generation.

Der Spexarder Krug wird Ende 2016 für immer seine Türen schließen. Die traditionsreiche Gaststätte mit Hotelbetrieb an der Verler Straße in der Ortsmitte von Spexard soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. An gleicher Stelle will die Besitzerfamilie Bordihn eine Immobilie errichten, in der nach ihren Vorstellungen ein Discounter einziehen soll. "Die Investitionen, unseren Gasthof zu sanieren, sind einfach nicht mehr wirtschaftlich", sagt Besitzerin Christiane Bordihn (46), die mit ihrem Mann Dirk (47) den "Krug" seit zwölf Jahren in vierter Generation führt. Bis zur beschlossenen Schließung wird der Betrieb fortgeführt wie bisher. Die Pläne sind bereits sehr konkret und im Planungsausschuss informierte die Verwaltung am Dienstag die Politiker über die Planung der Familie Bordihn. Ein Gutachten über die verkehrliche Anbindung zur Verler Straße liegt vor und eine Bauvoranfrage wurde gestellt. Die Stadtverwaltung steht der Baumaßnahme positiv gegenüber. "Wir hatten bereits im vergangenen Jahr mehrere Anfragen für unser Grundstück", berichten die Bordihn, die jetzt auf eine positive Entscheidung hofft und zügig mit dem Neubau beginnen will. Die ersten Gerüchte über einen Verkauf oder eine Nutzungsänderung hatten im Januar dieses Jahres für viel Gesprächsstoff in Spexard und Gütersloh gesorgt. Auf 6.000 Quadratmetern soll die Gaststätte mit Saal und das Wohnhaus der Familie Bordihn abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. "Wir treten selbst als Bauherr auf", berichtet Bordihn, die sich nur schweren Herzen von der eigenen Gastronomie trennen kann. Der Schritt sei aber unausweichlich. Investitionen im hohen sechsstelligen Bereich seien schwer zu stemmen, ohne dadurch höhere Umsätze zu erzielen.

 
Der Spexarder Krug in den 1950er Jahren.

Das 1874 von der Familie Johannbarkey als Kohlenhandlung und Kolonialwarenhandlung errichtete Fachwerkgebäude wurde mehrfach umgebaut und in den 1930er Jahren um einen Saal erweitert. Die erste Schankgenehmigung wurde 1915 erteilt. Die Gaststätte spielte und spielt für das heimische Leben eine große Rolle. Vereine wurden hier gegründet und feierten ihre Feste sowie Brautleute ihre Hochzeit. Der Saal diente 1946 als Notunterkunft für Flüchtlinge und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden hier Gottesdienste gefeiert. Dem Sportverein Spexard dient es noch heute als Vereinslokal. "Die Tradition liegt uns am Herzen. Der Schritt ist uns nach langen Überlegungen sehr schwer gefallen", erzählt die gelernte Köchin Christiane Bordihn, die sich gut vorstellen kann mit ihrem Gatten weiter in der Gastronomie zu arbeiten. Die Pläne, über dem Neubau ein Hotel mit einer Gastwirtschaft zu betreiben waren allerdings nicht zu realisieren. Mit dem "Spexarder Krug" verschwindet eine Einrichtung mit hohem sozialem und kulturellem Stellenwert für den Ortsteil. In den vergangenen 20 Jahren schlossen fünf Spexarder Wirtshäuser ihre Türen. Aufzuhalten scheint der Prozess nicht mehr zu sein.



Letzte Änderung: 17. Dezember 2016