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In Spexard sind die Weiber los

Bild: Dünhölter  
Nahm in der Bütt auch sich selber auf’s Korn: Die Spexarderin Kerstin Krebs.

Am Altweiber-Donnerstag liegt die Stadt Gütersloh selig-schlummernd im Dornröschen-Schlaf. Die ganze Stadt? Nein. Wie Asterix und Obelix in den berühmten Comic-Heften trutzen zwei Vereinigungen wacker den Karnevals-Verweigerern im Rest der Dalkestadt. Die Narren des Kattenstrother Karnevals Club (KKC) verteidigten Frohsinn, Heiterkeit, Ausgelassenheit und Lebenslust bei ihrer Party im Blue Fox Donnerstagabend ebenso vehement wie die Katholische Frauengemeinschaft (KFD) Bruder-Konrad im Spexarder Bauernhaus bei ihrer schon traditionellen Karnevalssitzung. In Ermangelung eines Prinzenpaares, eines Elferrates sowie eines Sessions-Mottos ist es in Spexard eher eine auf zwei Tage beschränkte „Karnevals-Light“-Version. Dennoch nötigte das rund vierstündige Programm mit seinen stolzen 14 Programmpunkten den anwesenden 130 jecken Weibern am Donnerstag jede Menge Spaß und Respekt ab. In einem ruhigen Augenblick erklärte Moderatorin Katrin Westhoff: „Unser eigentlicher Vereinsschwerpunkt liegt ja auf völlig anderem Gebiet. Darum sind wir in jedem Jahr wieder stolz darauf, was hier abläuft“. Dazu hatten die Organisatoren um Rita Kordwittenborg im Hintergrund auch allen Grund. In diesem Jahr bekam die Spexarder im Rahmen der „Vereinten Gütersloher Karnevalsfeier-Fraktion“ gleich doppelte Verstärkung vom KKC: Die Engel, Teufel, Mickey Mäuse, Clowns, Piraten und bezaubernden Krümelmonster hatten es sich nach den „Fastelovend em Blot“ und "Cordula Grün"-Aufwärmklängen vom Band gerade erst mit Alkohol, Käsehäppchen, Weintrauben, Muffins und Frikadellen auf ihren bis an den Bühnenrand heranreichenden Sitzreihen gemütlich gemacht, als die 3 bis 10-Jährigen KKC-„Schlümpfe“ als eine von zwei „Leihgaben“ neben den „Maschi-Mäuschen“ das Bauernhaus zum ersten von vielen weiteren Malen in eine Insel der Ausgelassenheit verwandelten. Katrin Westhoff: „Wir haben mit der Orientalischen Tanzgruppe vom Sportverein, dem Nena-Tanz der Frauengruppe und dem Männerballett zum Abschluss auch eigene Tanzgruppen. Aber eine Tanzgarde, die haben wir nicht“.

  Bild: Dünhölter
Diese Mädels vom SV Spexard präsentierten orientalische Tänze, die sie mit Martina Krause einstudiert hatten.

Solange die Gütersloher Gallier in Form der „Feierfraktion Süd“ sich in der „5. Jahreszeit" mit übergreifender Lebensfreude gegenseitig unter die Arme greiFür die ersten richtig herzhaften, lauten Lacher sorgte mit Büttenrednerin Kerstin Krebs ein Spexarder Eigengewächs. Mit viel Sprachwitz und einer gehörigen Selbstironie und der Frechheit des Straßenköters nahm die Rednerin die Alltagssorgen der Spexarder Damen auf die Hörner. Egal ob Nachwuchs, Tupper-Party oder Hüftgold - Kerstin Krebs sprach dem Weibsvolk aus dem Herzen. Das ledige Gewichtsproblem persiflierte sie mit dem Satz: „Meine Freundin ist wie eine Scheibe Brot, die morgens aus dem Toaster springt. Ich bin wie ein Brötchen, dass auf der Butterseite landet". Probleme hat sie nur mit dem Haltbarkeitsdaten auf Schoko-Packungen: „Da steht drauf - mindestens haltbar bis. Das hat bei mir nicht nie eine Tafel geschafft“. Auch Sport ist nicht unbedingt ihr Ding: „Meine Freundin läuft 15 Kilometer am Stück. Dafür brauche ich zwei Übernachtungen“. Angeheizt von der Woge der Ausgelassenheit glitten die Damen bei Tanzeinlagen, Sketchen, Lieder und Büttenreden glückselig und sorglos durch den durchweg fröhlich-ansteckenden Abend. Nach dem es beim Feiern, Klatschen, Singen, Applaudieren fast vier Stunden in den Füßen gekribbelt hatte, durften die närrischen Mädels nach Ende des offiziellen Bühnenprogrammes ihr Hormone und Tanzwut ohne Einschränkung auf der Bühne auslassen. Das bunte Spektakel erlebte am Freitag im Rahmen einer offiziellen Karnevalsfeier seine Vorsetzung. Im Gegensatz zum Donnerstag, an dem „nur der Pastor und der NW-Reporter"“, so Katrin Westhoff, knöcheltief in die Welt der Weiber eindringen durften, waren hierbei auch Männer herzlich willkommen. Denn mal ganz ehrlich: Eingeschlechtlicher Karneval ist doch genauso spannend, wie abgestandener Sekt. Richtig auslassen kribbelig wie eine Champagnerdusche wird es doch erst, wenn neben ungezwungenem Feiern auch ein kleiner Flirt erlaubt ist. Gegessen wird selbstverständlich weiterhin Zuhause.
Text & Fotos: Jens Dünhölter/NW


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