![]() | 20. Literarischer Abend des Heimatvereins: Fritz Eckenga im Spexarder Bauernhaus |
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| Der Kabarettist Fritz Eckenga aus Dortmund überzeugte im Spexarder Bauernhaus beim 20. Literarischen Abend des Heimatvereins Spexard. |
Als der Liebe Gott Westfalen schuf, ließ er sich Zeit und geht es nach dem Wortkünstler Fritz Eckenga aus Dortmund waren wir wohl zum Schluss an der Reihe. „Gottes langsamste Schöpfung: Westfalen“ heißt eines seiner bekannten Werke. Im Spexarder Bauernhaus wurden die Verse des Autors jetzt erweitert. Eine Besucherin der Lesung reichte während des literarischen Abends ein paar Verse zu Gütersloh ein und trug sie vor.
„Zufrieden schaut der Herr zurück, Westfalen ist mein Meisterstück! Doch bevor ich mich begab zu Bett, erschaff ich noch Klein-Nazareth, würd meines Lebens nicht mehr froh, gäb’s auf der Welt nicht Gütersloh.“ Die rund 100 Gäste beklatschten die Zugabe mit heimischem Kolorit und gingen nach 180 amüsanten und gelungenen Minuten mit Fritz Eckenga zufrieden nach Hause. Überrascht war der Mann aus dem Pütt (Lütgendortmund) über den Wortgebrauch von Klein Nazareth. Am Ende des Abends kam vom Heimatverein die Aufklärung über den fast vergessenen Spitznamen von Gütersloh, der eher heute noch selten aus den Katholisch geprägten Stadtteilen zu vernehmen ist. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts wirkte der Prediger und Pfarrer Johann Heinrich Volkening in Gütersloh und hinterließ Spuren seines Lutherischen Wirkens. Gütersloh war damals ein protestantisch geprägte Heidestädtchen. Als es den Güterslohern zu bunt wurde, und der pietistisch wirkende Pfarrer das Schützenfest verbieten wollte, verließ er das Heidestädtchen Gütersloh und ging ins Ravensberger Land. Nun bleibt abzuwarten, ob Fritz Eckenga seine Verse zu Westfalen mit Gütersloh erweitern wird. Von Haus aus ist er Protestant wie er sagte. Geschwungene Reime und amüsante Sätze zur Fastenzeit und dem Frühjahr fanden den Geschmack der Zuhörer. Die mit Premiumhumor gemästete Jecken aus dem Rheinland sind Hardcore-Fastende, die ab Aschermittwoch konsequent auf Karneval verzichten, bis es zum Fastenbrechen zu Ostern wieder heiß: Helau und Kölle Alaaf. Eckenga sprach beim Fasten von einem spiritualen Frühjahrsputz. Dem inneren Schweinehund einmal zeigen, wer den im eigenen Saustall der Hausmeister ist. In mancher Leber sieht es aus wie in einem Saustall
Vom Ruhm und Ehre der Deutschen Gärtner wurde gesprochen, der jetzt wieder sein unermüdliches Treiben mit Harke treibt und seine Pflanzen enthauptet. Aus seinem aktuellen Werk Geflügeltes Westfalen bereitete der Ruhrgebietswestfale Fritz Eckenga die Zuhörer auf das Osterfest vor und hatte durchaus Respekt vor dem eilegenden Huhn. Der Autor war gut vorbereitet, denn er wusste, dass der Süden des Kreises Gütersloh eine Hochburg der Hühnerzucht ist. Damit die Christenheit sich besser auf Ostern vorbereitet kann quält sich das Huhn das Hinterteil und man höre das Geschrei der Hennen. Der Abstecher zum Fußball des bekennenden Fans von Borussia Dortmund fehlte an diesem nasskalten Abend nicht. Die Schalke-Fans bekamen auf der Deele nur kleine Seitenhiebe mit. Vielmehr waren es die Österreicher die mehr durch den Kakau gezogen wurden. Fußballerisch kann dieses Land der Kaffeehausmacher vor dem Balkan Länderspiele mit 0:1 gewinnen. Fritz Eckenga muss festgestellt haben, dass es vom Magenbitter Boonekamp (Heimatwasser aus Verl) ein Hirnglühen gibt. Mit einer Flasche lieblichen Spexarder Heimathauslikör machte sich der Kabarettist mit Ruhrgebiet-Charakter wieder auf den Weg gen Westen und hatte mit seiner authentischen offenen Art ein paar Stunden satirisch und sprachverliebt überzeugt.